Freitag, 12. April 2013

Wenn man Schwanzvergleiche braucht, sollte man auch Eier haben

... Wenn Menschen meinen, sich selbst hervorheben zu müssen, indem sie anderen schaden, dann sollten sie das offen machen. Aber wie schon oft festgestellt, manche Männer sind Mädchen und sollten rosa Röckchen tragen.

Ich mag meine männlichen Mitrefs, aber einige meinen, sie müssten imaginär penisfechten. Und dann zieht Pseudo-Luke sein imaginäres rosa Mimimi-Lichtschwert um dann Kanzler Palpatinchen eine aufs Platzdeckchen zu geben, nur um minimale zweieindrittel Sekunden so etwas wie einen heimlichen Triumph zu verspüren.
Nicht nur, dass sich meine herrlichen Dämchen immer damit hervortun müssen, alles - aber wirklich alles so zu verbalisieren wie ein Kind in der Wortschatzexplosion, es verhält sich auch auf dem Niveau. Wenn man etwas erzählt, stellt sich mein neues Spitzensternchen neben einen und kommentiert es halblaut. Dass er nicht die Eier hat, einem Dinge direkt zu sagen, kann ich verstehen - da fehlt wohl die nötige Menge Testosteron, denn man man spricht ja auch in Tenor. Meine Mutter sagt übrigens, dass Tenöre dämlich sind - ich finde, sie hat Recht - zumindest benehmen sich manche meiner tenorigen Kollegen eher wie kleine Mädchen in der Vorpubertät!
Ich geh mir jetzt die imaginären Eier kraulen. Und dabei hoffe ich, dass dieses Verhalten meiner männlichen Mitmädels anerzogen ist.


Dienstag, 12. März 2013

Liebe und so

Heute bei meinen Großen: ich hatte ein schönes Liebesgedicht mitgebracht, in dem sie die einzelnen Merkmale herausarbeiten sollten. Es ging darin um einen Menschen, der so stoned von der Liebe ist, dass er die Stadt in Regenbogenfarben anstreichen wollte. Ein Schüler fragte mich, ob der high sei.

Schüler: Frau Nachname, was isn mit dem?
Ich: Naja, die Mädels haben es ja schon vorhin gesagt, dass der verliebt ist.
Schüler: Ja, aber der is so bescheuert.
Ich: Warst Du schon mal verliebt?
Schweigen im Walde
Ich: Hast Du Dich schon mal so gefreut, dass Du die Welt umarmen wolltest.
Schüler: Keine Ahnung
Ich: Stell Dir mal vor Du bekommst im Diktat ne 1 raus.
Schüler: Ja, aber das is dann besser als Verliebtsein.

In dem Sinn meine lieben Leser (wenn ihr Euch hier hin verirrt) - Schönen Frühling mit vielen Gefühlen :)


Samstag, 23. Februar 2013

The Präteritum strikes back

Da bin ich nun. Eine Woche in der Schule - ich fühle mich noch immer ein Bisschen wie ein Cowboy im wilden Westen - und das liegt nicht daran, dass ich teilweise Schüler aus Ortschaften habe, in denen auf einen Einwohner durchschnittlich vier Kühe kommen. Die erste Woche war cool. Wir wurden wirklich nett aufgenommen und dürfen viel fragen. Trotzdem frage ich mich gerade einiges.
Ich darf am Montag Grammatik unterrichten - habe ich ja schon gemacht. Nur diesmal sind meine Schüler gelehrig und wissen wirklich nicht alles besser. Mein Leben als Tutöse lehrte mich früh, dass ältere Menschen nicht unbedingt schlauer sind. Ich bin noch immer von der Fünften fasziniert. Keiner fragte, was ein Präteritum sei. Nicht so wie seinerzeit an der Uni. Ich musste eine Vorlesung aushilfsweise halten. Das Thema waren komplexe Satzgefüge (alles mit Kommas) und ich gab irgendwas mit einem Präteritum von mir.
Nachdem mir eine Studentin nicht glaubte, dass es das wirklich gäbe, war ich ziemlich stinkig. Gestern machte ich mich schon darauf gefasst, wieder Fragen zu Zeiten beantworten zu müssen. Doch selbst nachdem ich mehrfach gefragt habe, ob sie es verstanden hätten, kam ein Ja - und sie haben es verstanden :)


Sonntag, 17. Februar 2013

Ich sattle dann einfach mal mein Pferd Fritz

Noch immer I Got A Name von Jim Croce im Ohr sitze ich hier und denke über meinen Job nach. Morgen ist es dann so weit, ich reite in meine Schule, in der ich meinen Vorbereitungsdienst mache. Das ist das, was man nach dem Studium macht, um dann als Lehrerin auf Schülerinnen und Schüler losgelassen zu werden.

Eigentlich hat es schon vor zwei Wochen begonnen...
... es ist wie an der Uni, man hat auch wieder lustige Veranstaltungen, in denen man zusammen sitzt und über Unterricht redet. Und zwischen meditativ angehauchten Pferdeschwanzpädagogen, ehemännernsuchenden Karrieremäuschen und introvertierten Selbstdarstellern meditiert man über Ein-und Ausstiege, wagt sich in Lernvoraussetzungen und wühlt sich durch Materialberge.
Doch zwischendurch gibt es leicht groteske Szenen - ich verwende bewusst nicht Begriffe wie kafkaesk, da mir momentan die linke Germanistenherzkammer blutet, wenn er von irgendwelchen eurhythmischen Karrierehaserln falsch verwendet wird. Eine dieser Szenen erinnerte mich an die Spaghettiwestern der Sechziger - zwei junge Männer stehen einander gegenüber und batteln sich mithilfe von Fachwörtern, um zu zeigen, wer der bessere Wissensvermittler ist. Dass sie sich dabei aufführen wie Hähne auf der Miste, mag ihnen aber keiner sagen.
Dass diese beiden Herren aber eine fast vier Jahre dauernde Neidfieseleibeziehung haben, die einen schon in der Uni ziemlich strapazierte, sollte man an dieser Stelle erwähnen. Der eine weinte, weil der andere das tollere Mädel hat und der andere weint, weil der eine eine halbe Note besser im Zeugnis ist. Und so bin ich wohl dazu verdammt, dieses Kräftemessen auszuhalten.

Und inmitten von Bildungsdiskussionen, Debatten um die Menschlichkeit und Studien darum, wie ein Lehrer zu sein hat, stehe ich, an einen Haufen Menschen gekettet, die bekifft von der Illusion eines besseren Ichs durch Weitergabe von Bildung, selig grinsend von Utopien labern. In mir gährt derweil eine riesige Menge Sarkasmus, der raus möchte.
Manchmal frage ich mich, warum ich diesen Job gewählt hatte. Ich mag die Arbeit, erkläre gerne und liebe meine Fächer - finde es schön, neue Wege zu gehen und an der Welt teilnehmen zu können. Doch gerade geht es mir wie einem Cowboy, der getrieben von Ideen und Idealen durch die Prärie reitet. Und während mein Pferd Fritz unter mit dahin wippt, vermisse ich meine Dr. King Schulz's und Davy Crockets. Ich bin nun auch da draußen und weiß, dass ich sie anrufen und anmailen kann. Doch leider muss ich Fritz selbst am Laufen halten...
Dann packe ich mal meine Satteltaschen und reite weiter... Morgen in mein neues Abenteuer...
(Jim Croce - I got a Name aus Django Unchained)

Donnerstag, 10. Januar 2013

Empfindsame Romantik oder: Wie des Ritters Lanze brach…



Liebe – gilt wohl als das Neumysterium des modernen Menschen. Immerhin wurde es ja durch die Romantik abgeschafft, dass man mittels Versorgungsehe ein Leben lang an einen Partner gebunden war und diesen in guten und in schlechten Tagen zu ertragen hatte. Mit der Entdeckung der blauen Blume, des Märchens als Transportmöglichkeit des ultimativen Werts der großen Liebe und der Möglichkeit endlich – Danke hier stellvertretend an Bayer- Schering für die Erfindung der Pille – sich einwandfrei durch die Weltbotanik zu vögeln. Diese – zweifelsfrei mehr oder minder revolutionären Möglichkeiten der zwischenmenschlichen Zweisamkeitsgestaltung ziehen jedoch Folgen nach sich, die ich ziemlich spannend finde.
Wie soll es denn nun der copulationsbereite Jungmann anstellen, das Objekt seiner Begierde einzufangen, um damit die Freuden zwischenmenschlicher Sexualkontakte zu genießen.

Wer die bereits angeschnittene Deutsche Romantik verstehen will, muss sich nochmals knapp 100 Jahre in der Zeit zurückwälzen. Nachdem Kant 1784 erst Horaz ausgegraben und dann die Philosophie mit der Forderung, der Mensch solle sich aus der eigenen, selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien, in das Zeitalter der Aufklärung gestürzt hatte, kam ein Fall in Emotionen und gefühlsbetonte Standpunkte.
Auf die rationale und logische Haltung der Aufklärung folgte der wütende und emotional nahezu hochschwangere „Sturm und Drang“ mit seiner Nebenströmung, der Empfindsamkeit. Dieser Epoche gehörten große Namen wie Goethe und Schiller an, die die Lyrik, die Epik und das Drama mit kräftiger Sprache, großen Emotionen und starken Bildern anreicherten. Neben der starren Dramentektonik der Aufklärung, beriefen sich diese auch auf die Götterfiguren, Titanen und Menschen der Antike – vorrangig aber den gescheiterten Existenzen. Und genau hier finden wir, was auch noch heutige Helden, denen Eros den Pfeil einen Ticken zu tief ins Fleisch geschossen hat. Johann-Wolfgang wählte hierfür den schönen Günstling Zeus – den trojanischen Prinzen Ganymed, der sich in seiner Empfindsamkeit auflöst.

Nachdem jedoch unser frankfurter Genius die Orangenhaine der Mittelmeerregion für sich entdeckt hatte und Mignons Lied verdichtet hatte, mäßigten sich die überschäumenden Gefühlsbetonungen und Wut und endlose Liebe verflüchtigten sich – was nun kam, war die Klassik. Noch angelehnt an die hellenistische Götter-, Sagen- und Philosophiewelt, wurden die Herren nun altersmilde und wandten sich wieder der Ratio zu. Nur um dann – es sind nun doch schon knapp 60 Jahre vergangen, seitdem Kant Disziplinierung, Kultivierung, Zivilisierung und Moralisierung als wichtige Instrumente der Erziehung entdeckt hatte. Diese vier kleinen Wörtchen führen nämlich dazu, dass der Mensch scheinbar aufgeklärt werde.

Doch die politische Lage in unseren schönen deutschen Landen hatte sich verändert. Und schwupp-die-wupp: Wo einst Kleinstaaten waren, gab es nun ein tolles Gemeinschaftsgefühl, getragen vom gesamtdeutschen Romatikgeist, der das Mittelalter als töfteste aller Epochen ausgrub, um neben dem Gemeinschaftsgeist auch andere tolle neue Werte wie die Liebe zu etablieren. Und so passierte es, dass sich die Figur des heldenhaften Ritters als demjenigen, der dann auch noch am Ende den Stich – erst gegen den Drachen und dann bei der Prinzessin – landet, etablierte. Und so zogen fortan viele junge Männer in die Schlacht, um sich die Holdeste zu angeln, die sich wahlweise in Dornengestrüpp, auf Türmen oder einfach in ner Zweier-WG mit dem kleinen, etwas wunderlichen Bruder lebte. Dieses Idealbild hielt sich – es war ja auch so geil männlich, was sowohl Freund Friedrich Wilhelm vom Pregel, als auch der Braunauer mit dem Rechtsdrall im Arm – wunderbar weiter etablierte. Denn Wagner mit seinen Siegfrieden und Parzivalen eignete sich hervorragend dazu, Jungs klarzumachen, man könne nur stechen, wenn man selbst der Held sei, und Mädchen einzutrichtern, nur ein wirklicher Held lohne sich für den wahren Stich in die unschuldigen Tiefen gesamtdeutscher Spalten – sei es am Berge, zu Lande und manchmal auch im heimischen Ehebett.

Nur frage ich mich heute, warum sich die neudeutschen Pseudoparzivale auf Seiten wie Go-Feminin mit sinnbefreiten Schnulztexten die textgewordene Liebeslanze zusammen plagiieren, statt einfach selbst zu schreiben. Neben dem fiesen Drachen Orthografie wird es auch noch die in Gestalt der Syntax anrückende Artemis sein, die es den hormonbeseelten Liebeslanceloten wirklich erschwert, zumindest in Textform eine der unzähligen Prinzessinnen aus ihrem Turm zu befreien. Da sich jedoch der Wörterdschungel des www dazu anbietet, muss der Ritter der Leidenschaft nicht mal mehr sein eigenes Sprachzentrum bemühen, sondern eignet sich Fremdes an, um dann bei den Guineveres des Netzes Seufzer der Verzückung landen zu können… Und so suchen sie, getrieben vom heldenhaften Drang des eigenen Antlitzpoliturversuchs nach möglichst empfindsamen Texten, die sie in der Hoffnung zumindest der romantischen Illusion näherzukommen wild durch die Welt verbreiten – in der nie endenden Hoffnung, endlich auch einmal selbst die Lanze bis zum eigenen Heldendenkmal schwingen zu können – und sei es nur ein Plastikoscar mit der Aufschrift: Best lover in the World auf der Toilette der heimischen Guinivere, Kunigunde oder Kriemhild stehen zu haben.

Dienstag, 20. November 2012

Philosophiemüll oder so

Wenn ich etwas verbocke, halte ich still oder rede ich drüber. Wenn ich erwischt werde versuche ich es aus der Welt zu schaffen. Sollte es Folgen haben, sollte man dafür gerade stehen und nicht noch alles schlimmer machen. Langsam aber sicher nervt es. Wirklich.

Freitag, 16. November 2012

Lümmeltütendiebstahl und anderer Spaß

Neulich im örtlichen Drogeriediscounter... Meinereiner steht in der Schlange an der Kasse und will nur einkaufen. Da sammelt sich eine Gruppe kindlicher Teenies (also 11) vor mir uns diskutiert, wie man am besten Gummis klauen kann. Dass diese Jungs das jetzt nicht machen, weil sie ihre Libido stillen wollen - ja ich weiß, die Bild hat schon viel gesehen - war auch mir und meiner langen Leitung klar. Nachdem - zugegeben es war ja irgendwie putzig - die Diskussion der Herren darauf kam, wie die Kondome nun aus dem Discount zu schaffen seien, hab ich dann doch etwas gesagt... Vor allem die Verkäuferin fand's lustig, sie hat mir versprochen, die Jungs das nächste Mal mit Mama darauf hinzuweisen, dass es Gummis auch in XS gibt...